Die Instagram-Falle: Wie ich mich selbst verloren habe
Mein Weg aus der Instagram-Sucht
Anfangs war Instagram nur ein Hobby. Ich postete meine Fotos, teilte meine Erlebnisse und freute mich über ein paar Likes. Doch mit der Zeit wurde es mehr. Viel mehr. Ich wollte wachsen, erfolgreich sein – und ehe ich mich versah, war ich gefangen in einem Strudel aus Strategien, Algorithmen und Optimierungswahn. Rückblickend erkenne ich, wie sehr mich Instagram vereinnahmt hat – und dass ich irgendwann nicht mehr wusste, wer ich eigentlich war.
Der schleichende Einstieg in die Instagram-Falle
Es begann harmlos. Ich schaute mir YouTube-Videos an, um herauszufinden, wie man auf Instagram erfolgreich wird. Ich lernte die gängigen Strategien:
Hashtags gezielt einsetzen – nicht zu groß, nicht zu klein, immer angepasst auf das jeweilige Bild.
Den Instagram-Feed optimieren, damit er professionell aussieht.
Die perfekten Posting-Zeiten finden, um möglichst viel Reichweite zu generieren.
Doch irgendwann reichte das nicht mehr. Ich musste mehr tun.
Ich klickte massenhaft auf den „Folgen“-Knopf, nur um den Nutzern direkt wieder zu entfolgen – in der Hoffnung, dass sie mir trotzdem zurückfolgen. Dann kam die 9x9-Regel: Ich suchte mir die Top 9 Posts aus verschiedenen Hashtags und kommentierte unter jedem einzelnen, um mehr Instagram-Follower zu gewinnen. Anfangs wählte ich meine Kommentare noch bewusst, doch später wurde es eine automatisierte Handlung. Ich kommentierte sogar unter Bilder, die mir überhaupt nicht gefielen, nur weil ich mir davon erhoffte, dass der Account mir folgt.
Der ständige Druck durch den Instagram-Algorithmus
Meine Gedanken drehten sich nur noch um Instagram. Ich überlegte ständig:
Welche Hashtags bringen mehr Reichweite?
Wie optimiere ich meine Instagram-Posts?
Wie steigere ich mein Instagram-Engagement?
Ich saß stundenlang an meinen Bildern, bearbeitete sie unzählige Male und konnte mich nie entscheiden, welches ich veröffentlichen soll. Nichts fühlte sich mehr „gut genug“ an.
Dann kamen die Reels. Plötzlich musste alles schnell, laut und aufmerksamkeitsstark sein. Ich experimentierte, versuchte, meine Videos immer kürzer und auffälliger zu gestalten. Ich schrieb übergroße, fette Schriften in Gelb oder Orange auf meine Videos, nur um beim Scrollen für Aufmerksamkeit zu sorgen. Dann kam die Manipulationstaktik mit Hooks:
"Kommentiere hier und schaue, ob du 500.000 Follower bekommst."
"Instagram fördert kleine Accounts – kommentiere deine Traumfollowerzahl."
"Ich habe letzten Monat 4.000 Follower bekommen – kommentiere hier und schau, wie viele du bekommst."
Und es funktionierte. Mein Account wuchs rasant. Doch der Preis dafür war hoch: Ich investierte täglich Stunden in Instagram. Ich entwickelte sogar kostenlose Presets, nur um über Reels Menschen in meinen Funnel zu ziehen: "Kommentiere GOLD und erhalte mein Preset kostenlos!" Dahinter steckte eine Automatisierung mit ManyChat – ein Tool, für das ich 50 Euro pro Monat zahlte, um meine Followerzahlen weiter nach oben zu treiben.
Die Fake-Community auf Instagram
Ich war in Instagram-Engagement-Gruppen, in denen wir uns täglich gegenseitig Likes und Kommentare gaben. Ich hatte regelmäßigen Austausch mit anderen Fotografen – sogar mit Sprachnachrichten. Doch nach meinem Ausstieg aus Instagram? Keiner dieser Kontakte existierte mehr. Die „Community“, von der immer alle sprechen, war eine Illusion.
Dazu kam der toxische Vergleich: Ich folgte Fotografen, die in rasantem Tempo wuchsen, und fragte mich ständig, warum sie mehr Instagram-Follower haben als ich. Ich löschte sogar 3.000 Abonnenten, weil ich dachte, dass mein Engagement dadurch steigt. Das hat mich Tage gekostet – für nichts.
Der Wendepunkt: Mein Ausstieg aus Instagram
Lange wusste ich, dass mich das Ganze auslaugte. Aber ich konnte nicht aufhören. Ich redete mir ein, dass es wichtig sei, weiterzumachen. Doch irgendwann wurde mir klar: Ich wusste überhaupt nicht mehr, wer ich war. Ich fotografierte nicht mehr für mich, sondern für Instagram. Ich bearbeitete Bilder nicht mehr nach meinem Geschmack, sondern so, dass sie mehr Likes auf Instagram bekommen. Ich war nur noch eine Maschine, die den Algorithmus füttert.
Erst als ich Instagram deaktivierte, begann ich wieder zu mir selbst zu finden. Ich erinnerte mich daran, dass Fotografie etwas ist, das mir Freude macht – nicht etwas, das ich für ein Publikum inszenieren muss.
Mein neues Leben ohne Instagram
Heute bearbeite ich meine Bilder, wenn ich Lust darauf habe. Ich lade sie ohne Druck auf meine Website hoch – nicht, weil ich muss, sondern weil ich es möchte. Ich mache Videos in meinem eigenen Stil, ohne mich nach Trends zu richten. Und wenn ich mal keine Lust auf Fotografie habe? Dann lasse ich es einfach.
Das Verrückte ist: Ich bin produktiver als je zuvor. Weil ich nicht mehr versuche, alles auf einmal zu machen. Weil ich mir nicht mehr vorschreiben lasse, was ich tun muss. Ich bin wieder frei – und ich habe mich selbst zurückgewonnen.
Fazit: Warum ich Instagram endgültig gelöscht habe
Instagram hat mich verändert. Aber der größte Unterschied ist: Jetzt bestimme ich wieder, wie mein Leben aussieht – nicht der Algorithmus.
Wenn du dich fragst, ob Instagram dich beeinflusst, dann überlege:
Postest du noch für dich – oder für den Algorithmus?
Machst du deine Bilder so, wie du sie magst – oder so, dass sie Likes bringen?
Hast du wirklich eine Community – oder nur Zahlen?
Falls du dich in meinen Erfahrungen wiedererkennst, solltest du überlegen, ob Instagram dein Leben steuert – oder du selbst.